DAS LEBEN DES PROPHETEN ABRAHAM

Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er rechtgläubig, ein Gottergebener und keiner derer, die Allah Gefährten beigesellen. Siehe, diejenigen Menschen, die Abraham am nächsten stehen, sind wahrlich jene, die ihm folgen, und das sind der Prophet und die Gläubigen. Und Allah ist der Hort der Gläubigen. (Sure Ãl-Imran: 67-68)

Der Allwissende und Allweise Allah erwähnt den Propheten Abraham im Quran an mehreren Stellen und stellt ihn als Vorbild für die Menschen dar. Er brachte die Offenbarung Allahs zu seinem götzendienerischen Volk und warnte es. Sein Volk hörte nicht auf ihn und stellte sich gegen ihn. Als der Druck des Volkes größer wurde, wanderte Abraham mit seiner Frau, dem Propheten Lut und einigen Leuten aus (hijra).

Im Quran wird darauf hingewiesen, dass Abraham von Noah abstammte:

Frieden sei auf Noah in aller Welt! So belohnen Wir fürwahr die Rechtschaffenen. Er war gewiss einer Unserer gläubigen Diener. Die anderen ließen Wir dann ertrinken. Und zu seiner Glaubensgemeinde gehörte auch Abraham (Sure as-Saffat: 79-83)

Zur Zeit von Abraham herrschten im Gebiet Mesopotamien polytheistische Religionen. Sin der Mondgott war einer der größten Götter. Die Menschen produzierten Götzenbilder und beteten sie an. Hier ist das Götzenbild von Sin (Bild links) zu sehen. Auf der Brust trägt Sin offensichtlich ein Halbmondzeichen. Rechts auf dem Bild sieht man Priester, die ihrem Gott Opfer bringen.
Damals wurden die Ziggurathäuser, die als Tempel und Sternwarten dienten, mit der derzeitig höchsten Technologie gebaut. Man betete die Sterne, den Mond und die Sonne an und legte daher einen großen Wert auf den Himmel. Auf den Bildern (oben, rechts und unten) sieht man die bedeutendsten Zigurathäuser Mesopotamiens.

Zu Abrahams Zeiten beteten viele Völker im Raum Mesopotamien und in Mittel- und Ostanatolien den Himmel und die Sterne an. Ihr größter Gott war der Mond-Gott "Sin". Der Mond-Gott wurde als ein Mensch dargestellt, der einen langen Bart und ein Kleid mit Halbmondzeichen trug. Außerdem stellten diese Völker Bilder und Skulpturen dieser Götter her und beteten sie an. Dieser sehr verbreitete Glaube hatte im Nahen Osten viele Anhänger und bestand bis zum 6. Jahrhundert vor Christus. Als ein Produkt dieses Glaubens wurden in ganz Mesopotamien bis ins innere Anatolien "Ziggurat" genannte Gebäude gebaut, die sowohl als Observatorien als auch als Tempel, in denen insbesondere der Mond-Gott "Sin" angebetet wurde, dienten.12 

Dieser heutzutage nur noch durch archäologische Forschungen feststellbare Glaube wird im Quran erwähnt. Nach dem Quran hatte der Prophet Abraham es abgelehnt, diese Götter anzubeten und erkannte den einzigen wahren Gott, Allah, an. Der Quran erzählt:

Und als Abraham zu seinem Vater Azar sprach: "Nimmst du Bilder zu Göttern an? Wahrlich ich sehe dich und dein Volk in offenkundigem Irrtum!"

Und so zeigten Wir Abraham das Königreich der Himmel und der Erde, damit er zu den Festen im Glauben gehöre.

Doch als die Nacht ihn überschattete, sah er einen Stern. Er rief: "Das ist mein Herr!" Als er aber unterging sprach er: "Ich liebe nicht, was untergeht."

Und als er den Mond aufgehen sah, sprach er: "Das ist mein Herr!" Und als er unterging, sagte er: "Wahrlich, wenn mich mein Herr nicht leitet, bin ich einer der Irrenden."

Doch als er die Sonne aufgehen sah, rief er: "Das ist mein Herr- das ist das Größte!" Als sie jedoch unterging, sagte er: "O mein Volk! Ich habe nichts mit euren Göttern zu schaffen!

Siehe, ich richte mein Angesicht lauteren Glaubens auf Den, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat, und ich gehöre nicht zu denen, die (Gott) Gefährten geben." (Sure al-An'am: 74-79)

Im Quran werden über Geburtsort und weitere geografische Lebensstationen Abrahams keine detaillierten Informationen gegeben. Eine wichtige Information ist jedoch, dass der Prophet Lut Zeitgenosse von Abraham war und dass sie nahe bei einander lebten. Denn die Engel, die Lut besuchten, waren zuvor bei Abraham gewesen und kündigten seiner Frau die gute Nachricht eines Kindes an.

Ein Thema, über das der Quran berichtet, aber das alte Testament nichts aussagt, ist der Bau der Kaaba. Im Quran wird erzählt, dass die Kaaba von Abraham und seinem Sohn Ismael gebaut worden ist:

Und als Abraham und Ismael die Grundmauern des Hauses legten, (sprachen sie): "O unser Herr! Nimm es von uns an. Siehe, Du bist der Hörende, der Wissende. (Sure al-Baqara: 127)

Die einzige Information über die Geschichte der Kaaba ist, dass dieser Ort seit jeher als heilig galt. Man kann davon ausgehen, dass die heilige Religion, die Abraham predigte, mit der Zeit degeneriert und die Kaaba in der Zeit der Unwissenheit vor unserem Propheten mit Skulpturen ausgestattet wurde.

Abraham Geburtsort im Alten Testament

Über den Geburtsort von Abraham gab es schon immer Meinungsverschiedenheiten. Im Gegensatz zu Christen und Juden, die behaupten er wäre in Süd-Mesopotamien geboren, wird in der islamischen Welt überwiegend angenommen, dass Abraham in der Region Urfa-Harran auf die Welt kam. Neue Befunde zeigen, dass die These der Christen und Juden nicht den Tatsachen entspricht.

Die These der Christen und Juden beruht auf der Thora. Hier steht, dass Abraham in der Stadt Ur in Süd-Mesopotamien auf die Welt gekommen ist. Nachdem Abraham hier aufwuchs, machte er sich auf den Weg nach Ägypten und reiste durch die Stadt Harran, die sich an der heutigen türkischen Grenze befindet, um sein Ziel zu erreichen.

Ein Manuskript des Alten Testaments, das vor kurzem entdeckt wurde, spricht gegen diese Aussagen. In dieser griechischen Ausgabe des Alten Testaments – dem bisher ältesten Manuskript aus dem 3. Jahrhundert vor Christus- wird die Stadt "Ur" nicht einmal erwähnt. Mehrere Forscher des Alten Testaments behaupten, dass das Wort "Ur" womöglich falsch geschrieben oder im nachhinein zugefügt worden ist. Demzufolge ist Abraham nicht in "Ur" auf die Welt gekommen und hat Mesopotamien vielleicht gar nicht gesehen.

Außerdem ist bekannt, dass sich manche Namen von Regionen und der Gegend, die sie umfassen, mit der Zeit ändern können. Wenn heutzutage von Mesopotamien die Rede ist, meint man im allgemeinen den Süd-Irak, die Region zwischen Euphrat und Tigris. Vor 2000 Jahren dagegen lag die Mesopotamien genannte Ebene nördlicher, umfasste sogar fast die Region Harran und weitete sich bis in das heutige türkische Territorium aus. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die im Alten Testament erwähnte mesopotamische Ebene richtig ist, wäre es irreführend, denn dieser geographische Begriff umfasste vor 2000 Jahren geographisch nicht den gleichen Ort wie heute.

Dass Abraham in der Stadt Ur auf die Welt gekommen ist, ist nicht eindeutig. Aber man ist sich einig, dass er in der Region Harran gelebt hat. Eine kurze Recherche im Alten Testament würde zeigen, dass sogar hier einige Aussagen daraufhin deuten. Zum Beispiel wird die Region Harran im Alten Testament als "Aram Region" bezeichnet (Genesis; 11:31 und 28:10). Es wird gesagt, dass Leute, die von der Familie Abrahams abstammten sich als "Sohn eines Arami" ausgaben (Deuteronosmium; 26:5). Dass Abraham als ein Arami bekannt ist, zeigt uns, dass er zumindest in dieser Region gelebt hat.

Auch in islamischen Quellen gibt es konkrete Hinweise, dass Abraham in der Region Harran-Urfa geboren ist. In der Stadt Urfa, die auch als Prophetenstadt bezeichnet wird, sind sehr viele Geschichten und Legenden über Abraham verbreitet.

Warum wurde das Alte Testament geändert?

Das Alte Testament und der Quran berichten beinahe über zwei verschiedene Propheten namens Abraham. Im Quran ist die Rede von einem Propheten Abraham, der zu einer Götzendienergesellschaft entsandt wurde. Sein Volk betete den Himmel, die Sterne, den Mond und verschiedene Götzenbilder an. Abraham bemühte sich, sein Volk von seinem Aberglauben zu bekehren. Deswegen verfeindete sich sein gesamtes Volk einschließlich seines Vaters mit ihm.

Im Alten Testament dagegen wird darüber nichts berichtet. Ereignisse, dass Abraham ins Feuer geworfen wird oder dass er die Götzenbilder seines Volkes vernichtet, kommen im Alten Testament nicht vor. Er wird hier eher als Vorfahr der Juden präsentiert. Es ist klar und deutlich, dass dieser Gesichtspunkt, der die "Rasse" in den Vordergrund rückt, von manchen Häuptern der jüdischen Gesellschaft inszeniert wurde. Manche Juden, die daran glauben, dass Allah sie als ein auserwähltes und überlegenes Volk geschaffen hat, haben absichtlich ihr heiliges Buch geändert, es ihrem Glauben entsprechend ergänzt und darin Streichungen vorgenommen. Daher ist der Abraham, der im Alten Testament vorkommt, nur ein Vorfahr der Juden.

Auch die Christen, die das Alte Testament für historisch richtig halten, sind der Ansicht, dass Abraham der Vorfahr der Juden, doch zugleich Christ ist. Diese Ansicht der Christen, die auf die Rasse nicht solch einen großen Wert wie die Juden legen, hat zwischen beiden Religionen zu Meinungsunterschieden und Kämpfen geführt. Allah erläutert diese Auseinandersetzung in der Sure Al-'Imran folgendermaßen:

O Leute der Schrift! Warum streitet ihr über Abraham, wo die Thora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt wurden? Habt ihr denn keinen Verstand?

Streitet über das, worüber ihr Bescheid wisst! Weshalb streitet ihr über das, wovon ihr nichts wisst? Allah weiß, ihr aber wisst nicht.

Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er rechtgläubig, ein Gottergebener und keiner derer, die Gott Gefährten geben.

Siehe diejenigen Menschen, die Abraham am nächsten stehen, sind wahrlich jene, die ihm folgen, und das sind der Prophet und die Gläubigen. Und Allah ist der Hort der Gläubigen. (Sure Al-'Imran: 65-68)

Ganz im Gegensatz zu dem, was im Alten Testament steht, wird Abraham im Quran als eine Persönlichkeit dargestellt, die vom Kindesalter an sein Volk vor dem Götzendienst warnt, mit ihm kämpft und ihm empfehlt, davon abzulassen:

Und (gedenke) Abrahams, als er zu seinem Volk sprach: "Dient Allah und fürchtet Ihn. Das ist besser für euch, wenn ihr es doch nur wüsstet. (Sure al-'Ankabut: 16)

Und wenn ihr (dies) für Trug erklärt, so taten dies schon Völker vor euch; aber den Gesandten obliegt ausschließlich die öffentliche Verkündigung." (Sure al-'Ankabut: 18)

Daraufhin versucht sein Volk, ihn zu töten:

Doch die Antwort seines Volkes war, lediglich zu fordern: "Erschlagt ihn oder verbrennt ihn!" Allah aber errettete ihn vor dem Feuer. Darin sind fürwahr Zeichen für ein gläubiges Volk. (Sure al-'Ankabut: 24)

Abraham, der vor den Übeltaten seines Volkes gerettet wurde, wanderte aus:

Und sie suchten, ihm zu schaden, doch Wir machten sie zu den Verlierern. (Sure al-Anbiya: 70)

Doch ich will mich von euch trennen und von dem, was ihr neben Allah anruft. Und ich will zu meinem Herrn beten; meinen Herrn werde ich gewiss nicht umsonst anrufen!" (Sure Maryam: 48)

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ANMERKUNGEN

(12) Everett C. Blake, Anna G. Edmonds, Biblical Sites in Turkey, Istanbul, Redhouse Press, 1977, S. 13

 

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