DAS VOLK SABA UND DIE ARIMFLUT

Wahrlich den Sabäern hätte (schon) ihr Wohngebiet ein Zeichen sein sollen: Zwei Gärten, zur Rechten und zur Linken. "Esst von der Gabe eures Herrn und dankt Ihm! Ein gutes Land und ein nachsichtiger Herr!" Sie aber wandten sich ab. Da sandten Wir über sie die Flut des Dammbruchs und verwandelten ihre beiden Gärten in zwei Gärten mit bitteren Früchten und Tamarisken und ein paar Lotosbäumen. (Sure Saba: 15-16)

Das Volk "Saba" ist eine der vier großen Zivilisationen, die in Südarabien gelebt haben und über die wir schon im Kapitel Das Volk von ‘Ad berichteten. Die Schätzungen über das Auftauchen dieses Volkes liegen zwischen 1000-750 v. Chr. Sein Niedergang ist jedoch erst um 550 n.Chr. durch die Angriffe der Perser und muslimischer Araber, die sich über zweihundert Jahre hinzogen, zustande gekommen.

Der Zeitraum des Auftauchens des Volkes Saba ist ein Konfliktthema. Ca. Seit 600 v. Chr. existieren Aufzeichnungen dieses Volkes. Aus diesem Grund sind Angaben über dieses Volk erst ab diesem Zeitpunkt möglich.

Die ältesten Quellen, die vom Volk Saba erzählen, sind Aufzeichnungen über Kriege, die aus der Zeit des assyrischen Königs Sargon II. stammen. (722-705 v. Chr.) Während Sargon in diesen Inschriften von den Staaten erzählt, die ihm Steuern zahlen, erwähnt er dabei den König von Saba Yith'i-amara (It'amara). Dieser Eintrag ist die älteste schriftliche Quelle, die über den Staat Saba informiert. Aber es wäre nicht zutreffend, sich nur auf diese Quelle stützend zu behaupten, dass der Staat Saba im Jahre 700 v. Chr. gegründet worden sei. Denn es ist höchstwahrscheinlich, dass er bereits lange bestand, bevor er in den schriftlichen Quellen erwähnt wird. Das heißt, dass die Geschichte von Saba älter sein könnte, als uns bekannt ist. Ebenso befindet sich in den Inschriften von Arad-Nannar, einem der letzten Herrscher des Ur-Königreichs, das Wort "Sabum", wovon man annimmt, dass es "die Heimat der Saba" bedeute.39  Wenn diese Annahme stimmt, bedeutet das, dass die Geschichte des Staates Saba bis in die Jahre 2500 v. Chr. zurückführt.


Inschriften in der Sprache des Volks Saba
Historische Quellen, die über das Volk Saba erzählen, bringen zum Ausdruck, dass dieser Staat erhebliche kommerzielle Aktivitäten ausübte wie einst die Phönizier. Demnach liegt ein Teil der nordarabischen Handelswege im Besitz dieses Volkes. Die Händler von Saba mussten, um über Nordarabien ans Mittelmeer und nach Gaza Waren transportieren zu können, von Sargon II, dem neuen Herrscher all dieser Gebiete, die Erlaubnis erhalten oder ihm Steuern zahlen. Nachdem sie angefangen hatten, dem assyrischen Königreich Steuern zu zahlen, ist auch ihr Name in die Annalen dieses Staates eingetragen worden.

In den Inschriften der Herrscher von Saba kommen die Wörter "Reparatur", "Stiftung" und "Bau" sehr häufig vor. Auch die Talsperre Ma'rib, die als eines der bedeutendsten Werke dieses Volkes gilt, ist eines der Zeichen des technologischen Niveaus, das sie erreicht haben.

Der Staat Saba besaß eine der stärksten Armeen des Gebietes, die dem Staat eine imperialistische Politik ermöglichte. Er hatte die Territorien des "alten Qataban" erobert. Auf dem afrikanischen Kontinent besaß er viele Ländereien. Im Jahre 24 v. Chr. hatte er einer unter der Führung von Marcus Aelius Gallus, Gouverneur von Ägypten, stehenden Armee des Römischen Reiches, des unbestritten mächtigsten seiner Zeit, die gegen die Hauptstadt Ma'rib einen Feldzug unternahm, eine schwere Niederlage beigebracht. Saba war ein mächtiger Staat, der eine maßvolle Politik ausübte, sich jedoch nicht davor scheute, Gewalt anzuwenden, wenn es nötig war. Der Staat Saba galt damals mit seiner hochentwickelten Kultur und Armee weit und breit als Supermacht.

Diese mächtige Armee wird auch im Quran erwähnt. Wie hoch das Selbstbewusstsein dieser Armee war, zeigt uns eine Aussage der Kommandanten von Saba, die im Quran übertragen ist. Sie sagen zu der Herrscherin (Königin) von Saba Folgendes:

Sie antworteten: Wir verfügen über viel (militärische) Stärke und Kampfkraft. Die Entscheidung liegt jedoch bei dir. So überlege, was du gebieten willst." (Sure an-Naml: 33)

Die Hauptstadt von Saba war Ma'rib, die durch ihre vorteilhafte geographische Lage reich geworden war. Sie lag in der Nähe des Flusses Adhanah. Der Ort, an dem dieser Fluss in den Jabal Balaq einmündete, war für den Bau einer Talsperre sehr geeignet. Das Volk Saba, das von dieser geeigneten Lage Gebrauch machte, hatte noch zu der Zeit der Gründungsphase ihrer Zivilisation hier eine Talsperre gebaut und ihr Land bewässert. Dank dieser Talsperre erreichte es ein hohes Wohlstandsniveau. Ma'rib war eine der fortgeschrittensten Städte ihrer Zeit. Plinius, der als Reisender dieses Gebiet besuchte, lobt dieses Land sehr und betont hauptsächlich das Grüne dieser Landschaft.40

Die Höhe dieser Talsperre in Ma'rib betrug 16 Meter, die Breite 60 Meter und die Länge 620 Meter. Nach den Berechnungen war das Gesamtfeld, das durch die Talsperre bewässert werden konnte, 9600 Hektar groß, wovon 5300 Hektar der Südebene, der Rest hingegen der Nordebene angehörte. In den Inschriften von Saba wurden diese beiden Ebenen manchmal auch als "Ma'rib und die beiden Ebenen"41  erwähnt. Wahrscheinlich möchte der Quran mit der Aussage "von rechts und links zwei Gärten" auf die prächtigen Weinberge und Gärten auf diesen beiden Ebenen hinweisen. Dank dieser Talsperre und Bewässerungsanlagen galt das Gebiet als das best bewässerte und fruchtbarste Gebiet im Jemen. Der Franzose J. Holevy und der Österreicher Glaser haben mit schriftlichen Dokumenten bewiesen, dass die Ma'rib-Sperre seit uralter Zeit existiert. In den Dokumenten, die im Himer-Dialekt geschrieben worden sind, steht, dass das Land dank dieser Talsperre fruchtbar wurde.

Diese Talsperre musste im 5. und 6. Jahrhundert n.Chr. weitgehenden Reparaturen unterzogen werden. Die Reparaturen konnten jedoch den Einsturz der Talsperre im Jahre 542 n.Chr. nicht verhindern. Der Einsturz führte zur "Arimischen Überschwemmung", von der uns der Quran berichtet, und richtete weitgehende Verwüstungen an. Die Weinberge, die Gärten und die Landwirtschaft, die das Volk von Saba seit Jahrhunderten betrieben hatte, wurden völlig vernichtet. Nach dem Einsturz der Talsperre setzte sofort der Verfallsprozess des Volkes von Saba ein. Am Ende dieses Prozesses, der mit dem Einsturz der Talsperre beginnt, war der Staat von Saba zugrunde gegangen.

Der Staat von Saba und die Arimische Überschwemmung

Die oben erwähnten historischen Tatsachen und die Quranverse stimmen überein. Archäologische Funde und die Geschichte bestätigen, was wir im Quran lesen. Das Volk Saba, die Warnungen des Propheten missachtend und undankbar für die Gaben Gottes, wird von einer furchtbaren Überschwemmung heimgesucht. Der Quran beschreibt dies wie folgt:

Wahrlich den Sabäern hätte (schon) ihr Wohngebiet ein Zeichen sein sollen: Zwei Gärten, zur Rechten und zur Linken. "Esst von der Gabe eures Herrn und dankt Ihm! Ein gutes Land und ein nachsichtiger Herr!"

Sie aber wandten sich ab. Da sandten Wir über sie die Flut des Dammbruchs und verwandelten ihre beiden Gärten in zwei Gärten mit bitteren Früchten und Tamarisken und ein paar Lotosbäumen.

Dies war unser Lohn für ihren Unglauben. Und so bestrafen Wir nur die Undankbaren. (Sure Saba: 15-17)

Wie in diesen Quranversen betont wird, lebte das Volk von Saba in einer wunderschönen Landschaft mit gesegneten Weinbergen und Gärten. Dieses Land, durch das wichtige Handelswege liefen und aus diesem Grunde einen hohen Wohlstand genoss, war eine der am meisten geschätzten Orte seiner Zeit.

In einem Land, in dem die Lebensbedingungen so angenehm waren, gehörte es sich, wie es im Quranvers ausgedrückt wird, "von der Gabe Gottes zu essen und ihm dafür zu danken". Doch das hat das Volk von Saba nicht getan. Es sah den außergewöhnlichen Wohlstand nämlich nicht als Gabe Gottes an, sondern meinte, das Land und der Wohlstand gehöre ihm und es hätte ihn selbst geschaffen. Das Volk war arrogant und wandte sich von Allah ab, wie im Quran berichtet.

Seine Undankbarkeit und Arroganz hatten dazu geführt, dass es alles verlor, was es einst besaß.

Im Quran wird die Strafe, die das Volk von Saba traf, als "Seyl-ül Arim", d.h. "Arimische Überschwemmung" bezeichnet. Dieser Ausdruck zeigt zugleich, in welcher Art und Weise diese Überschwemmung zustande gekommen ist. Denn das Wort "Arim" bedeutet Talsperre oder Sperre. Der Ausdruck "Seyl-ül Arim" erzählt von einer Überschwemmung, die durch den Einsturz der Sperre verursacht wurde. Basierend auf den quranischen Aussagen hinsichtlich dieses Ereignisses, war es Islamkommentatoren möglich, genauere Orts- und Zeitfestlegungen zu machen. Maududi z.B. schreibt:

Das Wort "arim", das im Text als Begriff (Seyl-ül-Arim) vorkommt, hat sich von dem Wort "arimen" abgeleitet und bedeutet in der südarabischen Sprache "die Talsperre", "Sperre". In den Ruinen, die in den Ausgrabungen im Jemen an den Tag gebracht worden sind, wurde dieses Wort oft in dieser Bedeutung gebraucht. In einer Inschrift zum Beispiel, die Jemen's äthiopischer Herrscher Ebrehe (Abraha) nach der Reparatur der großen Sperre Ma'rib 542 und 543 n.Chr. schreiben ließ, wurde dieses Wort wieder in der Bedeutung "Talsperre (Sperre)" gebraucht. Seyl-ül Arim bedeutet in diesem Fall "Überschwemmung, die durch den Einsturz einer Sperre zustande gekommen ist."
Sie aber wandten sich ab. Da sandten Wir über sie die Flut des Dammbruchs und verwandelten ihre beiden Gärten in zwei Gärten mit bitteren Früchten und Tamarisken und ein paar Lotosbäumen. (Sure Saba: 16) Das heißt, infolge der Überschwemmung, die nach dem Einsturz der Sperre (Talsperre) erfolgte, wurde das ganze Land zerstört. Die Kanäle, die das Volk von Saba ausgrub, indem es Sperren zwischen die Berge baute, stürzten ein und das ganze Bewässerungssystem wurde beschädigt. Infolgedessen ist aus dem Land, das früher wie ein Garten aussah, eine Ruine geworden, auf welcher nun wilde Kräuter wuchsen und außer kirschähnlichen Früchten der kleinen Bäume nichts Essbares mehr zu finden war.42

Auch der christliche Archäologe Werner Keller, Autor von "Und die Bibel hat doch Recht", ist der Meinung, dass die Arimische Überschwemmung der Quranerzählung entspreche: "Dass solch eine Talsperre vorhanden war und sie mit ihrem Einsturz die ganze Stadt zerstörte, beweist, dass das Beispiel im Quran, das über die Besitzer der Gärten gegeben wird, sich tatsächlich ereignet hat.43

Das Volk von Saba hatte mit der Talsperre Ma’rib, das es mit einer für diese Zeit äußerst fortschrittlichen Technologie gebaut hatte, eine große Bewässerungskapazität erhalten. Das fruchtbare Land, das es durch diese Methode gewann und die Kontrolle, die es über den Handelsweg hatte, ließ ihn ein prachtvolles und bequemes Leben führen. Jedoch haben sie sich von Allah, dem sie für all diese Gaben zu danken hatten, gemäß der Aussage des Qurans “abgewendet.” Daraufhin ist die Talsperre eingestürzt und die Arimische Überschwemmung hat all seine Felder vernichtet.

Nach der Katastrophe, die mit der Arimischen Überschwemmung kam, verwandelte sich das Gebiet langsam in eine Wüste und mit der Vernichtung der Landwirtschaftsgebiete ging auch die wichtigste Einnahmequelle des Volkes verloren. Das Volk, das den göttlichen Aufruf zum Glauben und zur Dankbarkeit nicht befolgte, wurde am Ende mit dieser Katastrophe bestraft. Nach den großen Verwüstungen, die die Überschwemmung verursachte, zerfiel das Volk allmählich. Die Menschen verließen ihre Häuser und siedelten sich in Nordarabien, Mekka oder in Syrien an.44

Ma'rib, wo das Volk von Saba einst lebte und das nunmehr einer verlassenen Ruine gleicht, soll zweifellos für alle, die wie einst das Volk von Saba die gleichen Fehler begingen, eine Lehre darstellen. Das Volk von Saba ist nicht das einzige Volk, das durch eine Überschwemmung zerstört wurde. In der Sure "al-Kahf" wird von zwei Gartenbesitzern erzählt. Der eine hat einen prächtigen und fruchtbaren Garten wie das Volk von Saba. Auch er begeht wie dieses Volk den Fehler, sich von Allah abzuwenden und Gottesgaben als sein selbst geschaffenes Eigentum anzusehen:

... Da sagte er während ihrer Unterhaltung zu seinem Gefährten: "Ich habe reicheres Vermögen als du und verfüge über mehr Leute."

Sich so gegen sich selbst versündigend, betrat er seinen Garten und sprach: "Ich glaube nicht, dass dies je zu Grunde geht.

Und ich glaube auch nicht, dass die Stunde je kommt. Und selbst, wenn ich zu meinem Herrn zurückgeholt werden sollte, fände ich dort gewiss Besseres im Tausch." (Sure al-Kahf: 34-36)

Tatsächlich wurden seine Früchte (von Allahs Strafgericht) erfasst. Und am anderen Morgen begann er seine Hände zu ringen wegen der Ausgaben, die er gemacht hatte, denn (die Reben) waren mit ihren Stützen zusammengebrochen. Und er sagte: "Ach, hätte ich doch meinem Herrn nichts zur Seite gestellt!"

Doch er hatte keinerlei Helfer, die ihm an Allahs Stelle hätten helfen können, noch konnte er sich selbst helfen. (Sure al-Kahf: 42-43)

Wie diesen Versen zu entnehmen ist, liegt der Fehler des Gartenbesitzers nicht darin, dass er die Existenz Allahs in Frage stellte. Ganz im Gegenteil, er behauptete, falls er eines Tages zu seinem Herrn zurückgeholt werden sollte, würde ihn dort Besseres erwarten, als er schon besäße. Sein Besitztum hätte er aus eigener Kraft geschöpft.

Im Grunde genommen ist das eine Art, Vielgötterei zu treiben, denn Dinge, die Allah allein gehören, sich anzueignen und sich vor Gottesfurcht zu entblößen, ist genau das, was auch das Volk von Saba einst getan hat. Auch die Strafe ist ähnlich; sein ganzes Land wurde zerstört. Die Menschen werden bestraft, damit sie begreifen, dass sie nicht Eigentümer sind und dass alles was sie besitzen Gottesgabe ist...


Der Quran berichtet, dass sowohl die Königin als auch das Volk von Saba “Allah vergessen und die Sonne angebetet haben”, ehe sie dem Propheten Salomo Folge leisteten. Die Informationen, die sich in den Inschriften befinden, bestätigen dieses und berichten darüber, dass das Volk von Saba in Tempeln, wie uns das Bild oben zeigt, den Mond oder die Sonne anbetete.

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ANMERKUNGEN

(39) "Seba" Islam Ansiklopedisi: Islam Alemi, Tarihi, Cografya, Etnografya ve Bibliyografya Lugati, Bd. 10, S. 268
(40) Hommel, Explorations in Bible Lands, Philadelphia, 1903, S. 739
(41) "Marib", Islam Ansiklopedisi: Islam Alemi, Tarihi, Cografya, Etnografya ve Bibliyografya Lugati Bd. 7, S. 323-339
(42) Mawdudi, Tefhimul Kuran, Bd. 4, Istanbul, Insan Verlag, S. 517
(43) Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, New York, William Morrow, 1956, S. 207
(44) New Traveller's Guide to Yemen, S. 43

 


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